Digitalisierung in Manufakturen - FoFamU Unternehmerfrühstück

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Die Forschungsstelle für Familienunternehmen der Universität Bayreuth lud am 27. September 2016 zum Unternehmerfrühstück

Die Digitalisierung und die Möglichkeiten der Industrie 4.0 beeinflussen vielerorts die Wahrnehmung von Wirtschaft und bringen die Frage auf, ob und welche Geschäftsmodelle angepasst werden müssen. Jedoch gibt es, gerade im Bereich der Manufakturen, Geschäftsmodelle, deren Produkte und Produktion nicht digitalisiert werden. Das Unternehmerfrühstück bewegte sich in diesem Spannungsfeld und eröffnete seinen 25 Teilnehmern und Teilnehmerrinnen einen differenzierten Einblick. Die Forschungsstelle für Familienunternehmen war bei der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne zu Gast.

Steingraeber & Söhne, die weltberühmte Klaviermanufaktur, ist eine von drei Manufakturen, die ausschließlich in Deutschland fertigen. Udo Schmidt-Steingraeber repräsentiert die 6. Generation der Unternehmerfamilie, welche seit 1852 in Bayreuth Flügel und Pianos produziert. Dieses Produkt sei, wie Udo Schmidt-Steingräber betonte, „seit mehr als 150 Jahren fast unverändert“. Steingraeber & Söhne habe „Anachronismen als Unternehmensprinzip und bemühe die Authentizität des Produkts, der Mannschaft und des Ortes“. Die Authentizität ist sowohl bei der Ausweitung der Produktion, als auch bei der Erschließung neuer Märkte von großer Bedeutung, was sich aktuell in China zeigt. Der chinesische Markt eröffnet dem Unternehmen mit seinen bis zu 50 Millionen Klavierspielern viele Möglichkeiten. Zur Erschließung des Marktes sei die angesprochene Digitalisierung lediglich in der Vermarktung von Bedeutung. Sie biete die Möglichkeit den Kunden gezielte Informationen zukommen zu lassen und ihm die Produkte in der jeweiligen Landessprache zu erklären. Die Produktion der Flügel sei jedoch nicht digitalisierbar. Sowohl die Verarbeitung der Stoffe, als auch das Bauen der Flügel sei Handarbeit. Somit sei die Digitalisierung für Steingraeber & Söhne von geringer Bedeutung, als für andere Branchen.

Professor Torsten Eymann, Mitglied der Forschungsstelle für Familienunternehmen und Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bayreuth, griff mit seinem Impulsvortrag das Thema der Digitalisierung auf. Er führte in verschiedene Konzepte des Marktzugangs ein, die durch Digitalisierung verändert würden. „Die Digitalisierung, eröffnet durch Produktionssteigerungen viele Möglichkeiten, bringt aber auch einige Änderungen und Herausforderungen mit sich“, so Eymann. Diese Herausforderungen seien besonders für Intermediäre, die den Engpass des Marktzugangs darstellten, besonders groß. Viele der Marktzugänge könnten durch entsprechende Online-Lösungen erweitert werden, weswegen sich Konsumenten und Produzenten direkt, ohne einen zwischengeschalteten Intermediär, verknüpfen könnten. Der Intermediär sei in dieser Lösung überflüssig. Somit sei es „für Intermediäre wichtig, Geschäftsmodelle anzupassen und die sich durch ihren Wissensvorsprung ergebenden Chancen zu nutzen“.

In der anschließenden Diskussion diskutierten die Teilnehmer die Eindrücke der Vorträge. Sie erörterten weitere Herausforderungen der Digitalisierung und warfen einen genaueren Blick auf die Produktionsprozesse bei Steingraeber & Söhne.

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