Der Ausgleichsanspruch in der Erbengemeinschaft

Eine Untersuchung zur Nachfolge einzelner Miterben in die Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Nils Peter Brügmann, 2013

[Aus dem Geleitwort des Doktorvaters:]

Eine Unternehmensnachfolge stellt für jede Personengesellschaft eine enorme Herausforderung dar. Die richtige Person muss identifiziert, entsprechend ausgebildet und angelernt werden. Die Belegschaft muss mitziehen, das Unternehmen ist auf die Nachfolge vorzubereiten, die entsprechende Liquidität muss vorhanden sein, um der älteren Generation einen auskömmlichen Lebensabend zu sichern und weichende Erben auszubezahlen. Es sollen möglichst keine Steuern bezahlt werden und schließlich noch alle Akteure zufrieden sein. Dass sich all diese Ziele nur schwer in Einklang bringen lassen, ist verständlich. Schon die juristische Gestaltungsaufgabe einer Unternehmensnachfolge ist alles andere als trivial und verlangt solide Kenntnisse in verschiedensten Rechtsgebieten. Der Ausgleichsanspruch in der Erbengemeinschaft Die Doktorarbeit von Herrn Brügmann beschäftigt sich dabei mit einem zentralen Problem an der Schnittstelle zwischen Erb- und Gesellschaftsrecht, dem Abfindungsanspruch in der Erbengemeinschaft. Sein Thema ist zwar nicht neu, gleichwohl zeigt seine Arbeit, dass viele und sogar ganz zentrale Fragen nach wie vor ungeklärt und bislang nicht mit der gebotenen sorgfältig-dogmatischen Tiefe ausgeleuchtet waren.

Dies gilt schon für die Problematik der rechtlichen Einordnung des Abfindungsanspruchs. Seine Arbeit greift den Konflikt zwischen Personengesellschafts- und Erbrecht in solchen Fällen auf, in denen der Gesellschafter einer GbR verstirbt und sich auf der Nachfolgeseite nicht nur eine Person, sondern eine Erbengemeinschaft befindet.

Sie will klären, wann und auf welcher Grundlage dabei ein Abfindungsanspruch entsteht, wie er modifizierbar ist und welchen Rechtscharakter er besitzt. Herr Brügmann hat sich dieser Schnittstellenmaterie mit großer Umsicht und Sorgfalt gewidmet und für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen überzeugend aufbereitet.

Seine Arbeit weicht keiner der zahlreichen schwierigen Fragen aus, die in einer solchen Gemengelage zwangsläufig auftreten. Der Verfasser begnügt sich dabei bei weitem nicht mit der Referierung bekannter Ansichten oder der Darstellung vermeintlicher "Standardprobleme". Er versucht im Gegenteil sehr erfolgreich, unterschiedliche Lösungswege aufzuzeigen, deren Tauglichkeit zu analysieren und deren methodisch-dogmatische Fundierung zu prüfen.

Gerade in Familienunternehmen spielen die von Herrn Brügmann angesprochenen Fragen eine große Rolle. Die Gleichbehandlung der Kinder ist für viele Familienunternehmerinnnen und - unternehmer ein ebenso großes Anliegen wie die Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit des eigenenen Unternehmens. Herr Brügmann zeigt hier Möglichkeiten und Grenzen gleichermaßen überzeugend auf.

Aus Sicht des Doktorvaters ist die Arbeit von Herrn Brügmann in besonderer Weise geeignet, die neue Schriftenreihe der Forschungsstelle für Familienunternehmen zu begründen, da sie stets mit dem Blick auf das praktisch Bedeutsame und Erforderliche geschrieben ist und dabei immer versucht, juristisch präzise und solide zu argumentieren.

Die Lektüre ist daher für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen befruchtend.

Knut Werner Lange

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Die Untersuchung, die im Juni 2013 mit dem "C.P.A.-Förderpreis der Forschungsstelle für Familienunternehmen (FoFamU)" ausgezeichnet wurde, ist das erste Werk, das in der neuen Schriftenreihe "Bayreuther Studien zu Familienunternehmen" erscheint. Die Schriftenreihe schließt die bislang existierende Lücke für die Publikation zielgerichteter interdisziplinärer Forschung im Bereich der Familienunternehmen. Sie folgt dem auch der Forschungsstelle innewohnenden ganzheitlichen Ansatz. Sie bietet deshalb herausragenden rechtlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere Dissertationen, zu Fragen von Familienunternehmen die Möglichkeit, diese Untersuchungen einem einheitlichen hochwertigen Format mit weitem Verbreitungsgrad zu publizieren und so einen größeren Adressatenkreis erreichen zu können.

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